Vorschaubilder in Sozialen Netzwerken

RA Michael Neuber, Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.

Das Internet von heute ist nicht mehr nur eine Softwareplattform sondern in erster Linie zu einem multiaktiven Datennetz geworden, in welchem die Grenzen zwischen Inhalteanbieter und Nutzer mehr und mehr verschwimmen. Informationen werden nicht nur über Suchmaschinen auffindbar, sondern vor allem über neue  Kommunikationstechnologien und -strukturen wie soziale Netzwerke verbreitet. Mit einem Klick erreichen Empfehlungen für bestimmte Inhalte eine Vielzahl von Nutzern. Das Teilen und Weiterempfehlen von Informationen über das Internet ist heute nicht mehr wegzudenken.

Viele Unternehmen, Agenturen oder Nachrichtenportale haben Social Media-Empfehlungsfunktionen (Social Plugins) in ihre Angebote integriert oder unterhalten eigene Unternehmensseiten in sozialen Netzwerken. Nun wurde ein erster Fall bekannt, in welchem ein gewerblicher Facebook-Nutzer abgemahnt wurde, weil er einen Link mit Dritten „geteilt“ hatte. Die Empfehlung enthielt ein Miniaturbild eines auf der Ursprungswebseite integrierten Fotos. Darf man Links also nicht teilen?

1. Wie funktionieren die Empfehlungsfunktionen auf vielen Webseiten?
Das „Weitersagen“ oder „Teilen“ über soziale Netzwerke wie Facebook, Google+, Pinterest oder Twitter ist heute eine der gängigsten Formen, Freunde und Bekannte auf interessante Informationen aufmerksam zu machen. Beinahe jedes soziale Netzwerk bietet diese Funktionen für seine Profilnutzer an. Webseitenbetreiber erhalten die Möglichkeit, entsprechende Skripte in ihren Online-Auftritten zu integrieren.

In externe Webseiten sind diese Social Plugins direkt mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk verknüpft und z. B. bei Facebook über einen sogenannten iFrame eingebunden. Die Skripte stellen damit lediglich eine Erweiterung des jeweiligen Services dar. Wenn Facebook-Nutzer eine entsprechende Webseite besuchen, erkennt das Facebook-iFrame, ob der Nutzer angemeldet ist. Social Plugins sind hier so eingerichtet, dass der Webseitenbetreiber außer allgemeinen, anonymisierten Statistiken keine der über das Social Plugin ausgetauschten Informationen erhält. Dabei ist es nicht nur angemeldeten Nutzern innerhalb des Netzwerks möglich, Inhalte zu bewerten und auszutauschen.

Durch das Klicken von „Gefällt mir“ zeigt man, dass einem ein Inhalt gefällt – direkt am entsprechenden Inhalt. Mit Hilfe der „Teilen“-Funktion werden zusätzlich Links und damit externe Inhalte auf der eigenen Timeline bei Facebook geteilt. Beim „Teilen“ erstellt das Skript dann neben dem Linkverweis an sich automatisch eine kleine Vorschau von Texten, Bildern oder Videos, welche sich auf der Webseite befinden.

Diese Darstellung ist natürlich nützlich, denn auf diese Weise wird Dritten der Inhalt schneller erfassbar gemacht und obendrein die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Webseite schließlich aufgerufen wird, um mehr zu erfahren.

2. Warum kann in sozialen Netzwerken das Teilen von Links mit Vorschaubildern risikobehaftet sein?
Fotos unterliegen einem umfassenden urheberechtlichen Schutz. Ohne entsprechende Erlaubnis des Urhebers dürfen diese nicht ohne weiteres benutzt werden z. B. vervielfältigt1 oder öffentlich zugänglich gemacht. [2]

Als Werke sind all jene Inhalte geschützt, welche Ausdruck einer persönlichen geistigen Schöpfung sind. Auf eine besondere Originalität kommt es dabei nicht an. Um Schöpfungshöhe annehmen zu können, muss sich das Werk lediglich von der Masse des Alltäglichen und von handwerklichen oder routinemäßigen Leistungen abheben3. Die Gerichte lassen hier regelmäßig bereits einen geringen Grad an Schöpfungshöhe ausreichen. Fotos sind als Lichtbildwerk also dann geschützt, wenn sie wenigstens einigermaßen kunstvoll oder eigen sind.

Aber auch für ein einfaches Foto kann derjenige, welcher dieses mit eigenem Aufwand herstellt (Fotograf oder Entwickler), den so genannten Lichtbildschutz für sich in Anspruch nehmen. Darauf, ob es sich um ein Foto in voller Auflösung oder lediglich um ein kleines, unscharfes Vorschaubild (Thumbnail) handelt, kommt es weder bei der einen noch der anderen Kategorie an.

Mit dem Posten von Vorschaubildern auf dem eigenen Profil werden die unter dem geteilten Link enthaltenen Fotos kopiert (vervielfältigt) und auf dem eigenen oder einen anderen Profil dargestellt (öffentlich zugänglich gemacht). Diese automatisch ablaufenden Prozesse stellen urheberrechtlich relevante Handlungen dar, welche grundsätzlich der vorherigen Erlaubnis des Rechteinhabers bedürfen.

Dass die Erstellung der Vorschau automatisch abläuft ändert nichts an der Tatsache, dass dieser Vorgang vom Nutzer selbst initiiert wird. Insoweit stellen die von den sozialen Netzwerken selbst oder über die Webseitenbetreiber angebotenen Empfehlungsfunktionen lediglich das Werkzeug dar, mit welchem der Nutzer die Empfehlungen bewerkstelligen kann. Es gilt hier also im Zweifel erst einmal nichts anderes als beim klassischen Hochladen und Veröffentlichen von Inhalten im Internet.

[…]


[1] Vgl. § 16 UrhG
[2] Vgl. § 19a UrhG


Dieser Ausschnitt wurde dem Whitepaper „Vorschaubilder in Sozialen Netzwerken“ entnommen.

Erscheinungsdatum: 26.03.2013
Umfang: 9 Seiten