Social Search – Eine Einführung in die Welt der sozialen Suche

Markus Vollmert, luna-park GmbH

Effekte und Messbarkeit von Social Signals
Fans, Tweets und Shares bringen Aufmerksamkeit und Besucher. Außer Frage steht, dass Soziale Netzwerke Reichweite und Traffic bringen. Doch wie sieht es mit den Auswirkungen auf das Google-Ranking aus?

Viele Likes = hohes Ranking?
Bislang galten Content-Optimierung und Linkaufbau als beherrschende Ranking-Faktoren. Doch bringt eine herausragende Präsenz auf Facebook oder Twitter auch etwas für mein Suchmaschinen-Ranking? Sind Social Signals im Google-Algorithmus angekommen?

Searchmetrics hat die Positionen von rund 10.000 Keywords analysiert und mit der Zahl der Facebook-Signale verglichen. Social Signals aus Facebook, Twitter und Google+ korrelieren extrem stark mit guten Positionen im Google-Index [3]. Demnach haben  Websites mit guten Positionen auch viele Likes und Shares auf Facebook. Und mittlerweile dürften auch alle die Kunde von Google vernommen haben: „Links are not going away, but social is an important signal. And it will become more and more important.” [4]

Die Korrelation von „sozialem Erfolg“ und hohem Ranking ist also vorhanden. Google selbst räumt den Effekten eine immer stärker werdende Bedeutung ein. Aber aus einer Korrelation lässt sich noch keine Kausalität ableiten. Seiten mit einer guten Positionierung haben häufig auch viele Besucher, die wiederum den Inhalt in Sozialen Netzwerken weiterverteilen können. Daraus kann man nun die Frage stellen: Sind Social Signals also Ursache oder Wirkung – oder beides? Schauen wir uns Twitter an, beobachten wir den gleichen Effekt: Auch hier haben Seiten mit guten Positionen überdurchschnittlich mehr Erwähnungen in Tweets. Es zeigt sich auch, dass die Korrelation zwischen Google+-Erwähnungen und Rankingposition noch größer als bei Facebook ist.

Der Google-Rankingalgorithmus basiert zu einem großen Teil auf Verlinkungen. Viele Links auf eine Website oder eine bestimmte Seite gelten als Indikator von Relevanz; grob vereinfacht: je mehr Links umso wichtiger die Seite. Vor allem die aktuellen Updates von Google fordern beim Thema Linkaufbau zum Umdenken auf. Links werden nach Qualität bewertet. Neben dem umgebenden Inhalt geht es mehr und mehr um Nutzersignale, z. B. Absprungraten, Verweildauer und Klickrate der Ergebnisse. Der feine, aber ganz entscheidende Unterschied zu den „klassischen“ Relevanz-Kriterien ist, dass hier keine oder eine nur sehr diffizile Beeinflussung möglich ist. Social Signals sind User Signals, also Nutzersignale. Sie sind im übertragenen Sinne Linkaufbau im Schnelldurchlauf. Das wird vor allem für Seiten mit hoher Aktualität (News, Themen-Portale etc.) immer wichtiger. Hier greift Social in besonderem Maße, denn es beeinflusst, wie die Aktualität einer Seite wahrgenommen und eingestuft wird. Der Aktualitäts-Faktor, den Google nach dem Freshness Update eingeführt hat, hängt nicht nur vom Alter des Contents ab, sondern wird aus Alter, der Entwicklung der auf ihn verweisenden Quellen (dazu zählen Links, Shares und Tweets), dem Grad der Veränderung des Inhalts und weiteren Faktoren ständig neu berechnet. Die Schnelligkeit des Webs erfordert vor allem bei News Aktualität von Inhalten. Social Signals werden Links als Rankingfaktor nicht ersetzen, wohl aber nachhaltig ergänzen und auch dadurch an Bedeutung enorm zunehmen.

Weg von der Quantität, hin zur Qualität
Das oberste Credo greift hier wie auch im Social Media-Umfeld: Die Menge allein ist nicht entscheidend – bedeutender ist, von wem die Signale kommen. Welche Autoritäten (Personen oder Quellen) bescheinigen die Relevanz? Die persönliche Reputation von Autoren wird Bedeutung für das Ranking erlangen. Google kennt die Autoren und wertet u.a. Blogkommentare, veröffentlichte Artikel, Social Media-Profile, hochgeladene Videos und andere öffentliche Beiträge aus. Zahlreiche Search-Experten bezeichnen den Author Rank als eine der bedeutenden Innovationen in der Suche, um eine soziale Metrik in die Websuche zu integrieren. Er bildet einen Reputation Score für Autoren. Damit hätte die Social Media-Komponente direkten, nachweislich messbaren Einfluss auf das Ranking. Erste Vorboten für Social Search-Ergebnisse gibt es bereits: Bei der Google-Suche werden Bilder aus den Google+-Profilen neben den Suchergebnissen eingeblendet und dazu die Autorenschaft. Offen ist, ob es bald auch ähnliche Algorithmen geben wird, die in das generelle Ranking einfließen und Usern angezeigt werden, die nicht auf Google+ eingeloggt sind.

Was also beachten?
Eine Korrelation von Social Media zu Suchmaschinenrankings ist erkennbar, jedoch lässt sich diese bislang nicht klar nachweisen. Die Messbarkeit der Social Signals steht noch am Anfang, wird aber bereits von den diversen Analyse-Tools aufgegriffen. Die Suche wird in Zukunft sozialer und damit muss auch die Suchmaschinenoptimierung sozialer werden. Schon heute kann Potenzial aus dem Social Media-Umfeld nicht mehr unterschlagen werden und in Zukunft wird es in der Suche ein wesentliches Erfolgselement sein.

[…]


[3] Vgl: Searchmetrics: Ranking Faktoren Google Deutschland 2012
[4] Jack Menzel, Product Management Director for Google Search, 01.03.2012,
http://www.brafton.com/blog/personal-social-search-101-insights-from-google-and-bing-on-modern-seo-at-smx-west


Dieser Ausschnitt wurde dem Leitfaden „Social Search – Eine Einführung in die Welt der sozialen Suche“ entnommen.

Erscheinungsdatum: 18.12.2012
Umfang: 40 Seiten