Meine Kinder in sozialen Netzwerken – 10 Tipps für Eltern, um den richtigen Umgang zu fördern

u.a. Oliver Poche, MySpace.com und Silke Knabenschuh, wer-kennt-wen.de

Soziale Netzwerke – im Englischen „Social Networks“ genannt – sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Weit über die Hälfte aller  Jugendlichen in Deutschland sind heutzutage in solchen Netzwerken angemeldet. Soziale Netzwerke bieten den Heranwachsenden einen neuen Raum, in dem sie sich, wie auf   dem Schulhof oder in ihrer Freizeit, austauschen können. Hier finden sie neue Kontakte, pflegen ihre Freundschaften oder organisieren Verabredungen. Die unterschiedlichen  Netzwerkbetreiber bieten ihren Mitgliedern dafür eine Vielzahl an Funktionen, um insbesondere den Informationsaustausch mit Nachrichten, Fotos oder Videos unkompliziert und einfach zu ermöglichen. Fürsorgliche Eltern stellen sich häufig die Frage, was ihre Kinder in den sozialen Netzwerken eigentlich tun.

Mit dem Leitfaden „Meine Kinder in sozialen Netzwerken – 10 Tipps für Eltern, um den richtigen Umgang zu fördern” von der Fachgruppe Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. erhalten Eltern praktische Tipps, erste  Handlungsempfehlungen und allgemeingültige Informationen für die sichere und (medien-)kompetente Nutzung sozialer Netzwerke. Dieser Leitfaden liefert außerdem  Antworten auf einige der wichtigsten Fragen, die häufig von engagierten Eltern gestellt  werden.

1. Wie kann ich mein Kinde beim sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken unterstützen?
Wenn Kinder und Jugendliche das Internet nutzen, müssen Sie als Eltern sich selbst den Herausforderungen der neuen Medienwelt stellen und sich über die Aktivitäten Ihrer Kinder im Netz informieren. Dabei sollten Sie stets auf Ihre elterliche Intuition vertrauen und – wie auch in anderen Lebenslagen – das Gespräch mit Ihren Kindern suchen. Den besten Einblick in die Funktionen eines sozialen Netzwerkes erhalten Sie, wenn Sie sich ein eigenes Benutzerkonto in dem sozialen Netzwerk, das Ihre Kinder regelmäßig nutzen (gegebenenfalls auch in einem anderen sozialen Netzwerk), anlegen. Testen Sie daher selbst die sozialen Netzwerke in aller Ruhe aus und fragen Sie Ihre Kinder, wozu die verschiedenen Funktionen dienen.

Machen Sie sich desweiteren ein Bild über die Optionen zur Privatsspäreeinstellungen des jeweiligen Netzwerkbetreibers, die gewährleisten, dass die Nutzer der Netzwerke die Kontrolle über die eigenen Daten und Informationen haben, und machen Sie gegebenenfalls davon Gebrauch.

Dabei ist grundlegend, dass gesellschaftlich etablierte Verhaltensregeln, wie beispielsweise ein respektvoller Umgang mit anderen Menschen, hier genauso wie im „offline“-Leben gelten. Sprechen Sie gegenüber Ihren Kindern aktiv an, dass ihr Verhalten in sozialen Netzwerken zu Konsequenzen im realen Leben führen kann. So kann eine Beleidigung im virtuellen Raum zu Problemen unter Mitschülern einer Schulklasse im realen Leben führen.

2. Wie viel Zeit darf mein Kind in sozialen Netzwerken verbringen?
Eine goldene Regel, wie viel Zeit ein Kind vor dem Computer verbringen sollte, gibt es grundsätzlich nicht. Prüfen Sie in erster Linie selbst, ob der Tagesablauf Ihres Kindes ausgewogen ist und sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber. Stellen Sie neben dem klassischen Stundenplan für die Schule gegebenenfalls auch einen Aktivitätsplan auf, der verschiedene Beschäftigungen umfasst. Unterscheiden Sie dabei zwischen  verantwortungsvollen Tätigkeiten wie Hausaufgaben und Mithilfe im Haushalt und solchen,  die die individuellen Interessen Ihres Kindes berücksichtigen, wie Musikunterricht oder Vereinssport. Zur Förderung Ihrer Kinder zählt auch die Aktivität an der frischen Luft mit Freunden oder gemeinsam als Familie. Der Computer und das Internet sollten nicht als primäre Freizeitbeschäftigungen verstanden werden, sondern als sinnvolle Ergänzung im Alltag.

Ein grundsätzliches Verbot oder eine starke Einschränkung der Internetnutzung für Kinder hilft nur zur vorübergehenden Problemlösung. Zudem führt ein solches Verbot dazu, dass die generelle Entwicklung des Kindes im Online-Bereich verhindert wird, was wiederrum für die Schul- und Berufsausbildung ein Hindernis darstellt. Dosieren Sie daher die Nutzung von Internet und sozialen Netzwerken sinnvoll, um die Entwicklung Ihrer Kinder zu fördern und ihre Medienkompetenz gezielt zu stärken.

3. Wie kann ich die Medienkompetenz meines Kindes zielgerichtet aufbauen?
Die Bezeichnung „Digital Natives“ wird für Kinder und Jugendliche verwendet, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Kinder und Jugendliche lernen während des Heranwachsens auf spielerische und natürliche Weise das Medium kennen – oftmals ohne das Zutun und die Erziehung der Eltern. Das bewusste Auseinandersetzen mit Chancen und Gefahren  bei der Internetnutzung bleibt dabei allerdings oft auf der Strecke. Daher ist es wichtig, dass Sie selbst das Medium Internet und insbesondere die Funktionsweise sozialer Netzwerke kennenlernen und gemeinsam mit Ihren Kindern über die verschiedenen  Online-Aktivitäten sprechen. So wird es Ihnen leichter fallen, Ihre Kinder über Chancen und Risiken aufzuklären und Ihre Kinder für diese zu sensibilisieren.

Auch in vielen Schulen wird aktuell noch zu wenig über den richtigen und sicheren Umgang im Internet gesprochen. Sowohl Lehrer als auch Eltern fühlen sich bei diesen Themen oft unsicher und kennen sich viel weniger damit aus, als ihre eigenen Kinder. In  vielen Familien mangelt es an Kenntnissen der Medienerziehung und an der eigenen Medienkompetenz. Die kompetente Mediennutzung wird in Zukunft immer wichtiger und muss von Eltern aktiv in der Kindererziehung berücksichtigt werden. Für den Unterricht empfiehlt es sich, die Rolle der Medien auch für Schüler zu thematisieren und  kontinuierlich ihr Wissen und den Umgang mit dem Internet zu fördern. Sprechen Sie dazu mit den Lehrern Ihres Kindes und fragen Sie, wie Ihrem Kind diese Themen fachlich im  Unterricht vermittelt werden.

Informieren Sie sich zudem bei den Betreibern sozialer Netzwerke. Diese bieten auf unterschiedliche Art und Weise sehr hilfreiche Unterstützung an. So gibt es je nach Anbieter ein ausgewogenes Angebot an Informations- und Lehrmaterialien, die von Medienpädagogen erstellt wurden. Ausgewählte Links zu Angeboten finden Sie auf Seite 6. Außerdem bieten einige Netzwerke einen Besuch in Schulklassen an, um gemeinsam  über das richtige Verhalten sowie Datenschutz in Netzwerken zu diskutieren. Zudem  werden Eltern in speziell eingerichteten Bereichen über die Funktionen und Möglichkeiten zur Nutzung des sozialen Netzwerks informiert.

4. Welche Angaben sollte mein Kinde in sozialen Netzwerken machen?
Einige Heranwachsende nehmen soziale Netzwerke – im Gegensatz zum elterlichen Wohnzimmer – als privaten Raum wahr, in dem sie sich in Ruhe mit ihren Freunden austauschen und neue Freunde kennenlernen können. Deshalb muss das Bewusstsein  der Kinder und Jugendlichen dahingehend geschärft werden, dass die aktive Nutzung sozialer Netzwerke eben gerade nicht einem intimen Telefongespräch mit der besten Freundin gleichzustellen ist, sondern eine Vielzahl von Personen erreicht, die  beispielsweise Fotos, Videos oder Statusmeldungen sehen können. Zwar sind eine Mindestanzahl von Daten und Informationen notwendig, um mit Freude und Spaß die Funktionalitäten der sozialen Netzwerke zu nutzen. Jedoch sollte sich der  medienkompetente und wachsame Nutzer stets fragen, ob die Informationen, die über ihn selbst oder über andere Personen in das Netzwerk eingestellt werden, sowohl aus Sicht  der Klassenkameraden, als auch aus Sicht des zukünftigen Arbeitgebers angemessen und unproblematisch sind.

Beachten Sie, dass Ihr Kind die Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre innerhalb der sozialen Netzwerke nutzt. Diese Einstellungsmöglichkeiten variieren von Betreiber zu Betreiber, bieten jedoch den Mitgliedern die Möglichkeit, eigenständig zu entscheiden,  welche anderen Nutzer welche Informationen innerhalb und teilweise auch außerhalb des Netzwerkes sehen dürfen. Achten Sie darauf, dass private Angaben wie Telefonnummer, Adresse und Wohnort oder die E-Mail-Adresse nicht öffentlich in dem Profil Ihres Kindes sichtbar sind. Die Netzwerke bieten bereits ausreichend netzwerkinterne  Kommunikationswege. Es bleibt daher bei der Grundregel – wie auch im realen Leben, dass diese Daten einzig an Personen weitergegeben werden sollten, die man gut kennt  und denen man vertraut. Eine Netzwerkbekanntschaft kann, muss aber nicht dazu gehören. Generell sollten Eltern die Online-Aktivitäten ihres Kindes begleiten und ihm einen verantwortungsvollen Umgang hinsichtlich der Preisgabe persönlicher Informationen und  Daten nahelegen.

[…]


Dieser Ausschnitt wurde dem Leitfaden „Meine Kinder in sozialen Netzwerken – 10 Tipps für Eltern, um den richtigen Umgang zu fördern“ entnommen.

Erscheinungsdatum: 05.05.2010
Umfang: 7 Seiten