Karriere-Sprungbrett Social Media – 10 Tipps für Ihre Online-Reputation

u.a. Mike Schnoor, Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.

Social Media wird mittlerweile in nicht nur von Unternehmen im Rahmen des Personalmarketings eingesetzt. Immer mehr Bewerber entdecken die Möglichkeiten, ihre Karriere mit Social Media voranzutreiben. Im Bereich der Karriereplanung ist Social Media ein nützliches Tool, um sich einerseits ein Bild über das Unternehmen zu machen und sich andererseits als potenzieller Kandidat bestmöglich im Internet zu präsentieren.

Die Fachgruppe Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. gibt mit dem Leitfaden „Karriere-Sprungbrett Social Media – 10 Tipps für Ihre Online-Reputation” grundlegende Handlungsempfehlungen, wie Bewerber mit Social Media die perfekte Stelle finden können und worauf sie bei ihrer Karriereplanung achten müssen.

1. Selbstmarketing für die eigene Online-Reputation ins Rollen bringen
Aller Anfang ist schwer, aber Ihre Konkurrenz schläft nicht: Der Arbeitsmarkt ist hart umkämpft und nur der beste Kandidat wird sich die gewünschte Stelle sichern können. Sie müssen in Social Media genauso überzeugen wie im beruflichen Leben außerhalb der Sozialen Netzwerke.

Suchen Sie zuerst in Google nach Ihrem vollen Namen. Die nüchterne Erkenntnis lautet: In Social Media und im Internet insgesamt finden Sie nahezu alles. Das regelmäßige  „Ego-Googeln“ sollten Sie im Prinzip nie vergessen, denn so überprüfen Sie sehr leicht, was über Sie bereits im Internet zu finden ist. Die Online-Reputation dient zur Optimierung dieser Ergebnisse, denn leider können Sie nicht jeden ungeliebten Inhalt auf die Schnelle entfernen.

Sie sollten daher das Ruder in die Hand nehmen und selbst wertvolle Inhalte zu Ihrer Person publizieren. Ein wesentlicher Vorteil von Social Media ist die Einfachheit und Schnelligkeit. Doch zu Beginn sollte nichts überstürzt werden. Überlegen Sie sich genau, welches Ziel Sie mit einer Online-Präsenz verfolgen wollen und arbeiten Sie mit Ihren Aktivitäten in Social Media genau auf dieses Ziel hin. Verfolgen Sie dabei verschiedene Ziele gleichzeitig, aber nicht alle zur selben Zeit. Nutzen Sie auch Möglichkeiten der verschiedenen Sozialen Netzwerke, um unterschiedliche Zielsetzungen zu erreichen. Zum Einstieg stellen die folgenden Ziele einen ersten Überblick dar, um die Karriere in Social Media zu fördern:

  • Imagepflege und Aufbau von Reputation
  • Aufmerksamkeit auf die eigenen Inhalte/Angebote lenken
  • Pflege des eigenen Netzwerks
  • Aufbau persönlicher Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern/Kunden
  • Teilnahme an Events
  • Fachlicher Austausch in Gruppen/Diskussionsforen
  • Informationen über Jobangebote finden
  • Informationen über potenzielle Arbeitgeber finden
  • Kennenlernen interessanter Personen
  • Wiederfinden alter Bekannter und Kollegen
  • Dialog mit Kunden/Geschäftspartnern/zukünftigen Arbeitgebern
  • Generierung von Neugeschäft und Aufträgen
  • Finden neuer Mitarbeiter

Je zielsicherer, profilierter und professioneller Sie auftreten, desto überzeugender wirkt Ihre gesamte Online-Präsenz für den potenziellen Arbeitgeber. Die Sozialen Netzwerke werden immer stärker als HR-Ressource angesehen, selbst dann, wenn in einer Stellenausschreibung ganz klassisch die „aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen“ gefordert werden. Über die Angaben und Statusmeldungen in Ihren Profilen ist es  Personalern zusätzlich möglich, einen perfekten Kandidaten für die zu besetzende  Position zu finden. Einige Personalagenturen haben sich bereits auf diese Art des Online-Recruitings spezialisiert. Andere Personaler entdecken in diesem Moment Social Media selbst und probieren die neuen Möglichkeiten aktiv aus, um potenzielle Bewerber außerhalb ihres Lebenslaufes zu analysieren.

Ein weiterer Vorteil von Sozialen Netzwerken liegt in der Tatsache, dass der Personaler schon vor einem Vorstellungsgespräch einen persönlichen Eindruck vom potenziellen Mitarbeiter bekommen kann. Diese grundsätzliche Neuerung muss nicht mit einem negativen Vorzeichen bewertet werden. Der geschulte Personaler kann durch das Auftreten in diversen Portalen bereits eine Ahnung von der Persönlichkeit des Bewerbers bekommen.

Nachdem Sie die Suchergebnisse zu Ihrem eigenen Namen gesehen und die ersten Ziele für die Karriere festgelegt haben, sollten Sie mit dem Aufbau einer effektiven Präsenz in Social Media anfangen. Starten Sie daher zuerst mit einem eigenen Blog, in dem Sie ausgewählte Fachthemen und relevante Informationen, gepaart mit Ihrer  persönlichen Einschätzung und Meinung darstellen.

Bedenken Sie aber, dass Sie wirklich gut und fehlerfrei schreiben sollten, wenn Sie einen Artikel in einem Blog veröffentlichen. Melden Sie sich in ausgewählten Social Networks an und bauen Sie als nächstes dort Ihre Profile auf. Idealerweise treten Sie in den Sozialen Netzwerken mit Ihrem echten Namen auf. Die bekannten Pseudonyme als Relikte der 90er-Jahre sind bei Personalern nicht gerne gesehen und ein unausgesprochenes Ausschlusskriterium. Das Selbstmarketing für die eigene Online-Reputation und im weitesten Sinne die persönliche Selbstdarstellung in Social Media hängen von vielen weiteren Faktoren ab, die Sie in den folgenden Punkten weiter positiv beeinflussen können.

2. Relevantes Kontaktnetzwerk aufbauen und pflegen
Wenn Sie ein eigenes Blog besitzen, ist das ein guter Start, aber nur die halbe Miete. Der wesentliche Teil der Online-Reputation hängt mit einer umfassenden Präsenz in Social  Media zusammen. Nur durch ein aktives und dauerhaftes Engagement in Sozialen  Netzwerken können Sie ein eigenes Netzwerk mit relevanten Kontakten aufbauen. Twitter und Facebook sind für den Anfang die relevantesten Portale. Für Berufsanfänger oder Absolventen hilft im deutschsprachigen Raum zudem ein Kontaktnetzwerk wie studiVZ oder meinVZ. Wer professionell am deutschen Arbeitsmarkt auftreten möchte, sollte bei XING ein Profil eingerichtet haben. Wer sich auf dem internationalen Parkett bewegt, darf zudem bei LinkedIn nicht fehlen.

Finden Sie bei Twitter interessante Personen, deren Kurznachrichten und Inhalte Sie gerne lesen und mit denen Sie kommunizieren möchten. Folgen Sie genau den Accounts, die auch aus Ihrem Berufsfeld stammen oder Ihrer Tätigkeit nahe gelegen sind: Für einen Marketing-Manager empfiehlt es sich, nicht nur den Accounts von einschlägigen Fach- und Branchenpublikationen, sondern auch Einzelpersonen, Experten und Brancheninsidern zu folgen. Nutzen Sie dafür die Suchfunktion dieses Kurznachrichtendienstes, folgen Sie bestimmten Stichworten (Hashtags) und durchstöbern Sie die Follower-Listen anderer Nutzer nach relevanten Twitter-Accounts. Hören Sie auf Empfehlungen, interagieren Sie mit den Followern und liefern Sie für diese potenziellen Kontakte zugleich interessante Beiträge in Form von Linkempfehlungen, Retweets oder Fachdiskussionen über Twitter. Damit zeigen Sie Ihre Kompetenz und können schnell weitere Kontakte knüpfen. So können Sie auch einen Personaler überzeugen, der Sie definitiv bei Twitter finden wird.

Facebook wird hingegen weniger als Informationstool angesehen. Vielmehr dient dieses Netzwerk der Unterhaltung und dem Austausch mit Freunden. Hier können Sie auch über die diversen Einstellungsmöglichkeiten Ihr Profil für unbekannte Kontakte unzugänglich machen. Sortieren Sie Ihre Kontakte daher in Listen, z. B. „Arbeit“, „Freunde“, „Schulfreunde“ oder „Familie“. Geben Sie diesen Listen und ihren Mitgliedern in den Einstellungen zur Privatsphäre gewisse Rechte. So bleibt Facebook ein Vorzeigeschild Ihrer Präsenz, aber nicht jeder erlangt einen Zugriff darauf. Nutzen Sie Twitter und Facebook daher parallel, indem Twitter öffentlich zugänglich ist und als Ihre informative Visitenkarte für Fachkenntnisse und Expertise gilt, während das Profil bei Facebook ein privates Umfeld bildet. Doch Vorsicht: Sollten Sie einen neuen Job haben, werden viele neue Kollegen Sie auch bei Facebook hinzufügen wollen. Veröffentlichen Sie in Facebook daher nichts, was Sie später um den neuen Job bringen könnte. Sollten Sie die Kollegen dennoch als Kontakt bei Facebook bestätigen wollen, erstellen Sie eine neue Liste für
„Berufliche Kontakte“ und wählen Sie für diese Listenmitglieder die Einstellungen zur Privatsphäre weise aus.

Ähnlich wie Facebook funktionieren die für Schüler und Studenten ausgerichteten Portale, zum Beispiel schülerVZ oder studiVZ. Sie sind in der Regel für genau die Zielgruppen der jungen Bewerber wie Schulabgänger oder Absolventen interessant, die in die Ausbildung oder ins Berufsleben einsteigen wollen. Hier gilt hingegen der Grundsatz, dass diese  Portale vermehrt zu Unterhaltungszwecken genutzt werden und für  Personalentscheidungen eine geringere Rolle spielen. Wer hier jedoch Präsenz zeigt, sollte auch das Profil frei von übertrieben juvenilen Informationen halten, um seine Karriere schon im jungen Alter zu einem Erfolg zu bringen. Grundsätzlich sollten Sie sich in der ersten Bewerbungsphase gut überlegen, welche Details der Schüler- und Studentennetzwerke Sie auf „sichtbar“ für die Kontakte stellen. Diese Auswahl wiederum können Sie detailliert über den Bereich „Privatsphäre-Einstellungen“ tätigen.

In den beruflich ausgerichteten Netzwerken XING und LinkedIn dreht sich hingegen alles um ein seriöses Auftreten und äußerste Professionalität. Diese Profile dienen als virtuelle Visitenkarte und ersten Einblick in Ihren Lebenslauf. Nutzen Sie die Profile genau für diesen Zweck und halten Sie diese frei von rein privaten Gedanken. Hier müssen Sie in Perfektion überzeugen und dürfen von Ihrem schriftlichen Lebenslauf nicht abweichen. Diese Businessplattformen erleichtern es Ihnen zudem, berufliche Kontakte zu sammeln und zu verwalten. Das klassische Rolodex wird durch Soziale Netzwerke abgelöst, schließlich finden Sie dort alle Daten beruflicher Kontakte auf einen Blick wieder. Hier werden Geschäftsfreunde, Partner, Kollegen, Mitarbeiter und ehemalige Kollegen verknüpft. Ebenso gehört es zum guten Ton, seine ehemaligen Kommilitonen oder Ausbildungspartner als Kontakte zu pflegen. Neben dieser Funktion sind Businessnetzwerke hilfreich, um über individuelle Interessen und Expertisen zu informieren. Nutzen Sie dazu die Mitgliedschaft in themenspezifischen Gruppen, die Ihr berufliches Engagement unterstreichen. Sortieren Sie auch in den Businessnetzwerken Ihre Kontakte nach Themenfeldern, ähnlich der Listen bei Twitter oder Facebook.

Insbesondere die Businessnetzwerke eignen sich zur Personalsuche durch Headhunter oder Personalberatungsfirmen. Wie oft Ihr Profil aufgerufen wird, verraten hier individuelle Statistiken. Wundern Sie sich daher nicht, wenn gänzlich unbekannte Personen Ihr Profil aufrufen, die überhaupt nichts mit Ihrem eigentlichen Berufsumfeld zu tun haben. Besuchen Sie ruhig das unbekannte Profil und informieren Sie sich darüber, wer Sie angeklickt hat. Überlegen Sie sich in dem Fall jedoch gut, den Erstkontakt herzustellen: Die Suche nach Personal in Sozialen Netzwerken wird von Headhuntern üblicherweise nur zur Recherche genutzt und nicht dazu, einen relevanten Kontakt anzubahnen.

Wenn Sie diese Profile erstellt und mit guten Inhalten bestückt haben, machen Sie sich zudem für die Kontakte noch interessanter. Aber sammeln Sie bitte nicht die Kontakte nur um der Kontakte willen. Wenn Sie keine Beziehung zu jemandem haben, muss diese Person auch nicht zu Ihrem Kontaktkreis zählen. Auch Personaler achten bei  Businessnetzwerken darauf und fragen im schlimmsten Fall bei Ihren Kontakten trickreich nach, ob diese Sie auch wirklich kennen und empfehlen können.

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Dieser Ausschnitt wurde dem Leitfaden „Karriere-Sprungbrett Social Media – 10 Tipps für Ihre Online-Reputation“ entnommen.

Erscheinungsdatum: 04.07.2011
Umfang: 11 Seiten